Eine Skizze in Schwarz-Weiß, geschrieben vor fast dreißig Jahren. Jetzt hat sie Farben, Formen und Bewegung bekommen.
Fjord, Berge, Meer und schmale Straßen. Kein Schild verrät, wo man ist – und doch weiß man es.
Literaturnobelpreisträger Jon Fosse wuchs in Strandebarm am Hardangerfjord auf. Die Landschaft und ihre Farben prägten ihn, lange bevor er ein einziges Wort schrieb.
Ein schmaler Fjordarm mit steilen Hängen zu beiden Seiten. Vater und Sohn in einem kleinen Boot auf dem Fyksesund, das Wasser ganz still.
Er spricht von Geborgenheit. Er spricht von Zuhause. Wer einmal dort stand, wo sich der Fjord öffnet, versteht, warum.
1997 schrieb der norwegische Schriftsteller Jon Fosse ein Drehbuch, das nie verfilmt wurde. Fast dreißig Jahre später ist daraus Beloved geworden – und die Landschaft, in der er aufwuchs, erzählt mit.
Jon Fosse ist vor allem für seine Theaterstücke und Romane bekannt, die weltweit übersetzt und gespielt werden – seit Jahrzehnten auch auf deutschsprachigen Bühnen. 2023 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
1997 schrieb Fosse auf Anfrage von Tom Remlov, damals Leiter der norwegischen Filmgesellschaft Norsk Film, ein Drehbuch mit dem Titel Bad Moon Rising. Es ist das einzige Drehbuch, das er direkt für den Film geschrieben hat, und er hätte nie gedacht, dass es tatsächlich verfilmt wird. Jahrzehnte später nahm sich Regisseur Erik Poppe des Textes an – international bekannt durch The King's Choice – Angriff auf Norwegen und Utøya 22. Juli. Aus ihrer Zusammenarbeit ist Beloved entstanden, im norwegischen Original Kjærast. Der Film erzählt von Asle und Gerd, die einen gemeinsamen Sohn haben. Asle fährt zur See, Gerd bleibt zu Hause, und im Mittelpunkt steht eine einfache Frage: Wie viel Entfernung hält die Liebe aus?
Für Fosse ist der Film ein Gemälde, entstanden aus seiner Skizze.
„Meine schwarz-weiße Skizze hat viele Farben, Formen und Bewegung bekommen.“ – Jon Fosse
Poppe spricht von einer Geschichte, die zwei gemeinsam erzählen: Die Grundgeschichte stammt von Fosse, die Bilder von Poppe.
Man muss nicht jede Szene in Beloved wiedererkennen. Wiedererkennen soll man Westnorwegen. Fosse hat nie über eine bestimmte Landschaft geschrieben.
„Es ist keine bestimmte westnorwegische Landschaft, sondern eine westnorwegische Landschaft mit Fjord und Bergen und Meer und Küste und schmalen Straßen. Mein Westnorwegen.“ – Jon Fosse
Gedreht wurde an mehreren Orten entlang der Westküste, von Stad und Selje im Norden bis nach Hardanger. Doch der Film verrät nie, wo man sich befindet. Gerade dadurch, so Fosse, tritt das mythische Westnorwegen hervor: Wenn es an keinen bestimmten Ort gebunden ist, kann man immer sagen: Das ist Westnorwegen.
Und wo beginnt dieses Westnorwegen?
„Wenn die flache Landschaft beginnt, sich zu erheben, und man den Fjord sieht, dann ist man in Westnorwegen.“ – Jon Fosse
Er beschreibt das Gefühl mit zwei Worten: Geborgenheit und Zuhause.
Das Auto taucht in Fosses Büchern immer wieder auf – und auch in Beloved. Fosse selbst fährt gern allein durch schöne Landschaften, unterwegs von einem Ort zum anderen, ständig in Bewegung. Für ihn hat das viel mit dem Schreiben gemeinsam.
„Schreiben ist, als käme man ein wenig von sich selbst weg. Wenn man von einem Ort zum nächsten fährt, ist das in gewisser Weise eine Parallele.“ – Jon Fosse
In Westnorwegen ist es die Straße, die einen durch die Landschaft führt: am Fjord entlang, durch die Tunnel und über die Brücken.
Fosse wuchs in Strandebarm in der Gemeinde Kvam am Hardangerfjord auf und lebte dort, bis er 15 oder 16 Jahre alt war. Er sagt selbst, dass ihn die Landschaft um ihn herum geprägt hat: der Fjord, die Berge und die Farben.
Wasser, Fjord, Meer und Regen ziehen sich durch sein gesamtes Werk. In Beloved ist das Meer beides: das, was Asle fortzieht, und das, was Gerd an Land hält.
Einen Ort in Hardanger kann man im Film genau benennen: den Fyksesund. In der Szene, in der Asle und sein Sohn mit dem Boot unterwegs sind, sieht man diesen Fjordarm – mit steilen, bewaldeten Hängen und stillem Wasser dazwischen.
Der Fyksesund zieht sich elf Kilometer vom Hardangerfjord ins Landesinnere, zwischen Øystese und Ålvik – schmal, mit Bergen, die fast tausend Meter direkt aus dem Wasser aufragen. Nach Regen und Schneeschmelze stürzen Wasserfälle die Hänge hinab. Je weiter man hineinfährt, desto stiller wird es. Einige Weiler haben bis heute keine Straßenanbindung, und am Ende des Fjords liegt Botnen, das man nur mit dem Boot oder zu Fuß erreicht.
Zwischen so hohen Bergen wird ein Mensch klein. Vielleicht passt die Landschaft deshalb so gut zu einem Film über Entfernung.
Möchten Sie den Fyksesund selbst erleben, bringt Sie die RIB-Safari ab Norheimsund in den Fjordarm hinein und nach Botnen an Land. Sind Sie lieber zu Fuß unterwegs, beginnt die Tour Vom Fjord zum Fjell mit einer Bootsfahrt nach Botnen und folgt dem alten Pfad, den die Bauern zwischen Fjord und Almen nutzten. Und sind Sie mit Auto oder Wohnmobil auf der Landstraße 7 zwischen Øystese und Ålvik unterwegs, blicken Sie von der Fyksesund-Brücke direkt in den Fjordarm.
Eine der Szenen in Beloved wurde an einer mächtigen, hohlen Eiche gedreht. Es ist die Brureika, die „Brauteiche“, auf dem Hof Lothe bei Utne in Ullensvang, einst zu Norwegens größtem Baum gekürt. Ihren Namen verdankt sie einem alten Hochzeitsbrauch: Die Hochzeitsgesellschaften versammelten sich an der Eiche und bekamen dort den Brautschnaps eingeschenkt, bevor sie weiter zum Hochzeitshof zogen.
Der Stamm hat einen Umfang von mehr als zehn Metern und ist in zwei Teile gespalten, die von Eisenstangen zusammengehalten werden – und doch trägt die Krone noch dichtes Laub. Für einen Film darüber, wie viel die Liebe aushält, ist kaum ein passenderer Ort denkbar.
Beloved (2026)
Norwegischer Originaltitel: Kjærast
Regie: Erik Poppe · Drehbuch: Jon Fosse
Mit Leo Magnus de la Nuez und Kristi-Helene Giæver Engeberg
Produktion: Paradox
Verleih: SF Studios
Das Drehbuch ist auf Norwegisch bei Samlaget erschienen: Bad Moon Rising (Kjærast)
Botnen, der kleine Weiler ohne Straße am Ende des Fyksesund, war einst für den Bau von Hardangerfiedeln bekannt.
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Umgeben von Geschichte und nationaler Romantik serviert das Restaurant im Thon Hotel Sandven die köstlichsten Mahlzeiten.
Vågen Rom & Hytteutleige liegt malerisch am Hardangerfjord und bietet moderne Hütten und Apartments. Ideal für Wanderungen, Radtouren und die Erkundung der schönen Umgebung das ganze Jahr über.